Die Angst vor dem NEIN sagen

Viele Frauen haben Angst vor dem NEIN sagen. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Ich möchte jedoch weniger auf die psychologischen Ursachen eingehen, sondern vielmehr zeigen, wie die Angst vor dem NEIN sagen mit Selbstwert und Gesundheit verbunden ist.

Nehmen wir eine Frau und nennen sie Lisa. Lisa ist 45 und verheiratet mit Michael. Zu ihnen gehören Lena (17) und Tom (9).

Michael ist im Außendienst tätig und somit viel unterwegs. Lisa arbeitet vormittags im Jobcenter und erledigt nachmittags Haushalt und Garten.

Anschließend fährt sie die Kids zum Sport, zum Musikunterricht oder zu privaten Verabredungen. Sie kümmert sich außerdem um die Hausaufgaben, den Elternabend, die Einkäufe, die Wäsche und unzählige andere Dinge.
Spätestens ab Donnerstag freut sie sich auf`s Wochenende und auf Zeit für sich.

Freitagnachmittag ruft ihre Mutter an, um Lisa zu fragen, ob sie sie am Sonntag zu einer 150 km entfernt wohnenden Freundin fahren kann, weil die Zugverbindung so unbequem ist.

Schon während des Telefonates spürt Lisa inneren Stress in Form von Widerstand und Unbehagen.

Widerstand, weil sie endlich mal freie Zeit für sich möchte und Unbehagen, weil sie Angst vor dem NEIN sagen hat.
Ihr Gehirn arbeitet auf Hochtouren und sie wägt sekundenschnell alle Möglichkeiten gegeneinander ab… um letztendlich JA zu sagen, obwohl sie eigentlich NEIN meint.

Lisa ist frustriert, weil sie es wieder einmal nicht geschafft hat, NEIN zu sagen, sondern etwas tut, was sie nicht tun will.

Das kennen viele Frauen… immer wieder stehen sie vor Situationen, in denen sie genau wissen was sie jetzt eigentlich antworten, sagen oder tun müssten… ohne es dann auch tatsächlich zu tun. Sie empfinden in diesen Situationen unterschiedlich starken Stress und eine undefinierbare Angst vor dem NEIN sagen.

Die Folge sind Frustration, Resignation, Ärger, Wut und Machtlosigkeit, sowie das Gefühl, nichts tun zu können, weil man immer wieder Angst vor dem NEIN sagen hat.

Je öfter wir bewusst erkennen, dass unser Verhalten nicht unseren Bedürfnissen entspricht, um so schlechter fühlen wir uns.

Manche finden sich irgendwann damit ab und geben es auf, ihre Bedürfnisse durchzusetzen. Andere bekommen vielleicht hin und wieder einen Wutanfall… und danach ist trotzdem wieder alles beim Alten.

Was jedoch bleibt, ist ein unbestimmtes inneres Gefühl, das sich für jede Frau unterschiedlich anfühlen kann.

Dieses Gefühl sagt uns ganz genau, dass wir falsch handeln, auch wenn unser Kopf etwas anderes sagt.

Wir wissen intuitiv, dass wir uns nicht gut tun, wenn wir gegen uns handeln.

Doch warum handeln wir gegen unsere Bedürfnisse?

Die Gründe sind individuell verschieden, haben jedoch dieselbe Grundmotivation:

Wir wollen schlechte Gefühle vermeiden.

Was alles in uns schlechte Gefühle erzeugen kann, hängt unter anderem davon ab, wie wir aufgewachsen sind.

Wenn wir schon früh erfahren haben, dass wir immer dann abgelehnt werden, wenn wir uns nicht so verhalten wie es von uns (meistens von den Eltern) erwartet wird, werden wir später oft Angst vor dem NEIN sagen haben.

Uns als Erwachsene dann gegen die Wünsche und Bedürfnisse von anderen abzugrenzen, wird uns immer wieder schwerfallen.

Abgelehnt zu werden bedeutet, nicht mehr dazuzugehören, nicht mehr geliebt zu werden.

Das alarmiert sofort unsere Instinkte, denn wenn wir nicht mehr dazugehören, genießen wir auch nicht mehr die „Sicherheit des Rudels“… also der Familie, des Kollegiums oder des Freundeskreises.

In der freien Natur bedeutet das „Lebensgefahr“, denn wenn der Schutz des Rudels fehlt, bin ich allen dort lauernden Gefahren allein ausgesetzt.

Diese innere Bewertung nehmen wir in der Regel jedoch nicht bewusst wahr. Andernfalls könnten wir ja erkennen, dass keine echte Lebensgefahr besteht, wenn wir unserer Mutter nicht jeden Gefallen tun.

Stattdessen spüren wir diese Angst vor dem NEIN sagen und versuchen so gut es geht, bestimmten Erwartungen zu entsprechen. Immer aus dem Grund, das unangenehme Gefühl der Ablehnung zu vermeiden.

Das Paradoxe dabei ist, dass wir uns jetzt zwar nicht mehr abgelehnt (in Lebensgefahr) fühlen, aber dafür unzufrieden sind. Mit diesem Verhalten schränken wir nämlich unsere Selbstentfaltung ein. Das ruft ebenfalls wieder unsere Instinkte auf den Plan und erzeugt ein schlechtes Gefühl.

Fremdbestimmung gehört im Reich der Natur ebenfalls zu den Gefühlen, die es zu vermeiden gilt.

Die Frage ist daher, was möchte ich wirklich?

Möchte ich die Erwartungen von jemandem erfüllen, damit ich „gemocht“ werde?

Oder möchte ich gemocht werden, weil ich vollkommen in Ordnung bin, so wie ich bin?

Möchte ich etwas für jemanden tun, damit er sich dadurch besser fühlt, obwohl es mir nicht gut damit geht?

Oder möchte ich mir Gutes tun und mich nicht mehr für die Gefühle von anderen verantwortlich
fühlen?

Diese Entscheidung kann jede Frau immer nur für sich allein treffen. Es ist eine große Herausforderung, wenn frau beginnt sich zu verändern. Oftmals ist es ziemlich unbequem für diejenigen, die sich bisher darauf verlassen konnten, dass jemand da ist, der einem ständig einen Gefallen tut, der JA sagt, obwohl er NEIN meint und der sich eher um das Wohl der anderen, als um das eigene kümmert.

In meiner Praxistätigkeit führe ich oft Beratungsgespräche mit Frauen, die ihr Leben jahrelang oder sogar jahrzehntelang nach anderen ausgerichtet haben… bis sie irgendwann krank geworden sind.

Erst dann ist ihnen bewusst geworden, wie wenig sie nach ihren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Fähigkeiten gelebt haben, weil sie immer eine unbewusste Angst vor dem NEIN sagen hatten. Diese Frauen empfinden oft einen geringen Selbstwert, weil sie die Bedürfnisse anderer höher bewerten, als ihre eigenen.

Angst vor dem NEIN sagen bedeutet Fremdbestimmung und führt innerlich zu immer weniger Selbstvertrauen und manchmal auch in die Krankheit.

Unabhängig davon, an welchem Punkt im eigenen Leben man gerade steht, alles lässt sich ändern. Ein erster Schritt kann sein, sich ganz ehrlich anzusehen:

„Wo handle ich nach meinen Bedürfnissen und Wünschen und wo tue ich etwas aufgrund einer unbewussten Angst vor dem NEIN sagen?“

Jedesmal kann frau sich dann entscheiden: Ich oder andere?

Allein diese Veränderung der eigenen Wahrnehmung lässt mehr innere Sicherheit entstehen und kann ermöglichen, schrittweise immer mehr das eigene Leben zu leben, anstatt sich nach den Bedürfnissen von anderen zu richten.

Daraus entsteht ein neuer Selbstwert, der die Fähigkeit unterstützt, immer weniger Angst vor dem NEIN sagen zu haben. Ganzheitlich betrachtet hat jede Verbesserung des emotionalen Empfindens immer auch eine Auswirkung auf den Körper und die Gesundheit. Es ist also sehr lohnenswert zu lernen, die eigenen Grenzen gut zu wahren und bei Bedarf keine Angst vor dem NEIN sagen zu haben.

Herzlichst eure

unterschrift_heidi

 

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Heidi Bonow und Hella Hampe
  

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